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Töpfern lernen - Die Arbeitstechniken

Das Töpfern ist  für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen interessant. So unterschiedlich die Fähigkeiten auch sein mögen, je nach Wissen und Erfahrung bietet das Töpferhobby für jede Könnensstufe eine Herausforderung. Für den Anfänger mögen es die kleinen Dinge sein, der Profi freut sich über komplexere Aufgaben und deren Gelingen. Eins kann ich aber mit Gewissheit sagen, jeder ist gespannt auf sein Ergebnis. Ich übe das Töpfern nun schon etliche Jahre als Beruf aus und das Öffnen des Brennofens ist auch für mich immer wieder eine Sache mit freudiger Erwartung.

 

Nun gibt es neben den oben genannten Arbeitstechniken natürlich noch eine Vielzahl von Dingen, mit denen sich der Töpfer auseinandersetzen kann bzw. muss. Die Wahl der Tonmasse z.B., die Verwendung von Glasuren sowie die Technik des brennens. Auch hier gibt es viele Unterschiede, die zu jeweils anderen Ergebnissen führen und der Keramiker wird auch nach vielen Jahren der Übung immer noch experimentieren können. Mich fasziniert das Töpfern, weil ich schöpferisch tätig sein kann. Mit den eigenen Händen aus einem einfachen Klumpen Erde eine Figur zu formen, diese Stück für Stück zur Vollendung zu bringen, das hat etwas sehr meditatives und gibt mir große Freude.

 

 

Das Töpfern ist eines der ältesten Handwerkskünste überhaupt. Schon vor 18.000 Jahren haben die Menschen ihr Geschirr aus Ton gefertigt und vielleicht deshalb denkt man bei dem Begriff des töpferns unwillkürlich an das Drehen auf der Töpferscheibe. Dabei gibt es noch viele andere Arten um Keramik herzustellen.

 

 

 

 

Die Arbeitstechniken des Töpferns

Wulsttechnik Aufbaukeramik
Wulst für Wulst wird die Keramik aufgebaut

Aufbaukeramik in Wulsttechnik

Man fertigt kleine Tonschnüre an und legt sie schichtweise übereinander, wobei die Wülste jeweils angekratzt und befeuchtet werden. Zwischendurch legt man ein Holzbrett  oben auf das Objekt und klopft sachte mit einem Kochlöffel darauf,  damit die Tonwülste sich gut verbinden. Am Ende werden die noch verbleibenden Zwischenräume von innen und außen verschmiert. Dazu verwende ich gerne die Rückseite einer Messerklinge. Nach diesem Verfahren können große Objekte wie Schalen, Schüsseln, Blumentöpfe oder auch Halloween-Kürbisse hergestellt werden.

 

Keramik-Kürbisse Wulsttechnik Töpfern
Keramikkürbisse in Wulst-Aufbautechnik entstanden

Die Plattentechnik

Töpfern: Die Plattentechnik
Ausgerollte Keramikplatte

Platten zum Ausstechen oder Ausschneiden

Bei der Plattentechnik wird der Ton ausgerollt und zurechtgeschnitten. Um eine gleichmäßige Stärke der Tonplatte zu erhalten, ist es hilfreich links und rechts zwei gleich dicke Leisten hinzulegen. Rollt man nun mit einem Rundholz über die Tonmasse, kann der Ton an keiner Stelle dünner als die Stärke der Holzleisten werden. In der Plattentechnik werden Anhänger, Fliesen, Gartenstecker, Schalen oder auch Teelichthalter hergestellt. Man schneidet die gewünschte Form mit Hilfe von Pappschablonen aus bzw. verwendet gleich entsprechende Plätzchenausstecher dafür. Um eine glatte und ebene Form zu erhalten, legt man wärend des Trocknens ein Holzbrett auf das Tonobjekt. So kann sich das Material während dem Trockenprozess nicht verwerfen. Ist eine geschwungene Rundung erwünscht, wie z.B. bei dem Teelicht unten, wird das Stück zum Trocknen in eine runde Schale gelegt.

 

Töpfern - Die Plattentechnik
Teelichthalter in Plattentechnik entstanden
Töpfern - Keramik aus Platten ausstechen
Ausgestochene Keramik-Anhänger mit Stempelverzierung

Die Über- und Einformtechnik

Bei dieser Technik verwendet man eine Form als Hilfsmittel. So zum Beispiel Gipshalbkugeln, die es im Töpfereibedarf gibt. Aber auch Dinge aus dem Haus können verwendet werden. Gefällt mir etwa die Form einer Kuchenplatte, einer Seifenschale oder was auch immer, kann auch diese als Vorlage genommen werden. Ich sammle dafür alte Perlonstrumpfhosen, die sich bestens als Trennschicht eignen. Das abzuformende Objekt in den Perlonstrumpf stecken, straff ziehen und verknoten. Dabei darauf achten, dass keine Nahtstelle der Strumpfhose über später sichtbare Stellen führt. Man rollt nun den Ton aus und legt die Tonplatte in die Gipshalbkugeln bzw. über die entsprechenden Wunschformen. Mit einem trockenen Schwämmchen drückt man das Tonmaterial sachte in Form. Überstehende Ränder werden mit einem Stück Holz weggenommen. Bitte bei Gipsformen kein Messer verwenden, geraten Gipsabspringungen (sogenannte Kalkspatzen) in die Tonmasse, kommt es leicht zu Sprüngen beim Brennen.

 

 

Töpfern Ein- und Überformen
Gipsformen für Keramikkugeln

Die Kugel als Grundform für Vieles

Das Objekt wird nun in oder auf der Form antrocknen gelassen bis es lederhard ist. Dies bedeutet, dass es nicht mehr weich ist sondern standfest, aber dass es sich noch bearbeiten lässt. Besonders Kugeln werden in diesem Verfahren hergestellt. Man fertigt zwei Halbkugeln und fügt die beiden im angetrockneten Zustand zu einer Kugel zusammen. Dazu werden die Ränder auf beiden Seiten mit einer Gabel angekratzt, eine Seite mit Tonschlicker bestrichen und die Teile zusammengesetzt. Man legt einen kleinen Tonwulst rund um die Nahtstelle, klopft diesen vorsichtig mit einem Holzpfannenwender an und streicht alles vorsichtig glatt. Aus solchen Kugeln lassen sich dann leicht die verschiedensten Tierfiguren abwandeln, bzw. mit Ausschnitten auch Laternen und Windlichter herstellen.

 

Töpfern - die Techniken
Schaf aus einer Keramikkugel gefertigt

Die Aushöhltechnik

Bei dieser Technik wird zunächst frei modelliert, d.h. die Grundform wird geschaffen. Feinarbeiten hebt man zunächst für später auf. Hier gehört beherztes Eingreifen dazu, denn vielen Anfängern fehlt schlichtweg der Mut, ihr so schön gewordenes Exemplar nun einfach mitten durchzuschneiden. Mit einem Draht geht das bestens. Einmal von oben nach unten durchschneiden und beide Seiten aushöhlen. Als Beginner kann man dazu einen Löffel verwenden, später schafft man sich dazu Tonschlingen in verschiedenen Stärken an.

 

Aushöhlen beim Töpfern
Töpfern: Die Aushöhltechnik

Durchschneiden, Aushöhlen und wieder zusammensetzen

Man sollte darauf achten, dass die Ränder nicht zu dünn werden sondern möglichst gleichmäßig stark bleiben. Nun die Schnittstellen mit der Gabel kreuzweise aufrauhen, eine Seite mit Schlicker bestreichen und die beiden Teile wieder aneinander setzen. Mit leichtem Druck zusammenfügen, eventuell kleine Tonwülste auf die Schnittstelle legen und alles gut verschmieren. Jetzt kann die Feinarbeit des Modellierens beginnen. Ganz wichtig: Am Ende das Loch für den Luftaustritt nicht vergessen sonst gibt es Bruch im Brennofen.

 

Töpfern Aushöhltechnik
Damit die Luft aus dem Hohlkörper entweichen kann muss ein Loch gestochen werden

Drehkeramik

Das Drehen ist ein dreijähriger Lehrberuf und kann nicht mal eben schnell erklärt werden. Ich besitze zwar eine Drehscheibe, bin aber trotz vieler Übungsstunden noch lange entfernt davon hier Erklärungen abgeben zu können. Wer sich trotzdem daran wagen möchte, dem kann ich entsprechende Lernvideos oder einen Drehkurs empfehlen. Das Drehen auf der Töpferscheibe macht mächtig Spaß, wenn man den Bogen mal raus hat, ist aber auch irre anstrengend und es gibt trotz Verwendung von weichem Drehton ohne Schamotte, richtig rauhe Finger! Mit der Drehscheibe gelingen dann allerdings die schönsten Dinge in Minuten.

 

 

Töpfertechniken - das Drehen
Gedrehte Keramikschale

Gießkeramik

Zum Abschluß wäre noch die Technik des Gießens zu nennen. Eine Vielzahl von Gießformen aus Gips stehen für diese Töpfertechnik zur Verfügung. Die Formen sind zwei- oder mehrteilig. Im geschlossenen Zustand wird flüssige Keramikmasse eingegossen und etwas abbinden gelassen. Ab einer gewissen Wandstärke kann der überschüssige Ton ausgegossen werden, es entsteht ein Hohlkörper. Ist der Ton trocken genug, kann die Form geöffnet  und die Nahtstellen am Objekt versäubert werden. Die größte Herausforderung ist hier nicht die Gestaltung an sich sondern das Fingerspitzengefühl, wann welches Trockenstadion erreicht ist.

 

Töpfertechnik Keramik gießen
Gipsformen für Gießkeramik

Zu Hause Töpfern

Natürlich kann man einen Töpferkurs besuchen und sich die Grundlagen des Hobbies dort beibringen lassen. In Gemeinschaft macht das viel Freude, man lernt Leute kennen und hat Spaß dabei. Auch ich bin so zu dem Hobby gekommen und muss sagen es war eine tolle Zeit. Wenn ich mir heute aber bestimmte Objekte vorgenommen habe, die vielleicht ein wenig kniffelig sind oder mehr Konzentration verlangen, dann mache ich das lieber alleine.  Wer das Töpfern einfach nur mal ausprobieren möchte, kann dies ohne weiteres tun. Es müssen keine größeren Anschaffungen getätigt werden, die Tonmasse ist nicht teuer und Werkzeug benötigt man vorerst auch keins. Als Arbeitsplatz genügt der Küchentisch. Man fängt einfach mal an und wird schnell feststellen, ob einem dieses Hobby liegt oder nicht. Wer erste Erfolge erzielt hat, will sicher bald mehr.

Das A und O beim Töpfern: Luftblasen vermeiden

Lufteinschlüsse im Ton bringen das Keramik-Kunstwerk zum Zerspringen. Beim Brennen dehnt sich die eingeschlossene Luft aus, die Luftblasen platzen und zerstören das Objekt. Es ist daher sehr wichtig, die Tonmasse immer so zu bearbeiten, dass keine Luftblasen entstehen. Werden Hohlkörper angefertigt, muss unbedingt ein Loch gestochen werden, durch das die Luft entweichen kann.

 

 

 

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